Ein JTL-Wawi-Update ist schnell gestartet: Installer herunterladen, ausführen, beim ersten Anmelden das Datenbank-Update bestätigen. Ob danach alles läuft, entscheidet sich vorher – bei der Sicherung, der Reihenfolge und der Frage, was außer der Wawi noch an der Datenbank hängt: Worker, Shop, WMS, Kasse, eigene Workflows und SQL-Abfragen.
Diese Checkliste stammt aus unserer Update-Praxis bei Händlern mit JTL-Wawi, JTL-WMS und JTL-Shop. Sie gilt für den Weg von JTL-Wawi 1.11 auf 2.x und genauso für spätere Updates innerhalb von 2.x.
Unsere Lösung: Wir übernehmen das Update komplett – Sicherung, Einspielen außerhalb Ihrer Geschäftszeiten, Prüfung von Abgleich, Druckvorlagen, Workflows und Versand. Läuft etwas nicht, gehen wir auf den gesicherten Stand zurück. Termin buchen
Auf einen Blick
| Punkt | Empfehlung |
|---|---|
| Weg von alt | erst auf die letzte 1.11, dann auf 2.x |
| Zeitpunkt | außerhalb der Geschäftszeiten, nicht vor Feiertagen oder Aktionen |
| Pflicht vorher | vollständige Datenbanksicherung, geprüft |
| Reihenfolge | Worker ausschalten, zeitgesteuerte Abläufe anhalten → Sicherung → neue Version auf dem Server → Datenbank-Update → alle Clients → Shop/Connector/WMS → Tests |
| Dauer | Einspielen Minuten bis Stunden, mit Tests einen halben Tag einplanen |
1. Vorher klären: Was hängt alles an Ihrer Wawi?
Die Wawi selbst ist selten das Problem. Schwierig wird es bei allem, was mit ihr verbunden ist. Schreiben Sie vor dem Update auf:
- Alle Rechner mit JTL-Programmen: Arbeitsplätze, Server, Packtisch, Lager-PCs. Jeder braucht danach dieselbe Version.
- Worker und Abgleich: Läuft der JTL-Worker als Dienst auf dem Server oder auf einem Arbeitsplatz?
- Onlineshop und Connectoren: JTL-Shop, Shopify, Shopware oder andere – passt die Connector- bzw. Shop-Version zur neuen Wawi?
- JTL-WMS, Mobile Server, JTL-POS: Diese Komponenten müssen zur Wawi-Version passen.
- Eigene Anpassungen: Workflows, Custom Workflow Actions, eigene Übersichten, Ameise-Exporte, Druck- und E-Mail-Vorlagen, Zusatzprogramme von Drittanbietern, die direkt auf die Datenbank zugreifen.
Eigene SQL-Abfragen, Ameise-Exporte und Zusatzprogramme greifen oft direkt auf Tabellen zu. Ändert JTL mit dem Update die Datenbankstruktur, liefern sie danach Fehler oder – schlimmer – stillschweigend falsche Zahlen. Testen Sie sie nach dem Update gezielt.
2. Voraussetzungen prüfen
- SQL Server: JTL empfiehlt in den Systemvoraussetzungen MS SQL Server 2022. Läuft bei Ihnen noch eine sehr alte Version, ist ein Umzug des SQL Servers ein eigenes Projekt – das gehört nicht in dieselbe Nacht wie das Wawi-Update. Unser Beitrag JTL-Wawi auf einen neuen Server umziehen beschreibt den Weg.
- Größe der Datenbank: Während des Updates und danach kann die Datenbank deutlich wachsen – JTL baut Tabellen um, legt neue an und das Transaktionsprotokoll füllt sich. Schauen Sie vorher nach, wie groß Datenbank und Protokoll sind und wie viel Luft bis zur Grenze bleibt.
- SQL Server Express: Die kostenlose Edition ist bis SQL Server 2022 auf 10 GB je Datenbank begrenzt, ab SQL Server 2025 auf 50 GB. Ist die Grenze während des Updates erreicht, bricht es ab. Liegen Sie knapp darunter, klären Sie das vorher – zum Beispiel mit einem Wechsel auf SQL Server 2025 Express, sofern Ihre Wawi-Version ihn unterstützt.
- Betriebssystem: Windows 11 auf den Arbeitsplätzen, Windows Server auf dem Server. Windows 10 wird von Microsoft nicht mehr unterstützt.
- Freier Speicherplatz auf dem Server: für die eigene Sicherung, die automatische Sicherung des Update-Assistenten und das Wachstum von Datenbank und Protokoll.
- JTL-Kundenkonto: Die Lizenzprüfung läuft über das JTL-Kundencenter. Halten Sie die Zugangsdaten bereit.
- Laufzeitumgebungen: Das Setup der JTL-Wawi 2.x installiert selbst die nötigen Komponenten – laut Installationsdialog .NET 8 Runtime, ASP.NET Core und WebView2.
- Changelog lesen: siehe Abschnitt „Changelog und Issue-Tracker“ unten.
3. Sicherung – und zwar eine, die funktioniert
Vor jedem Update steht eine vollständige Datenbanksicherung unmittelbar vor dem Start. Laut JTL-Guide sichert die Wawi die Datenbank vor jedem Update zwar automatisch – verlassen Sie sich aber nicht allein darauf, sondern legen Sie eine eigene Sicherung an einem zweiten Ort ab.
Im Update-Assistenten legen Sie außerdem den Backup-Pfad fest. Wählen Sie ein Laufwerk mit genug freiem Platz – ohne Änderung landet die Sicherung im Standardpfad.
Tipp: Wer das Update vorher ausprobieren möchte, spielt eine Kopie der Datenbank auf einem Testsystem ein und aktualisiert zuerst dort.
- Worker ausschalten, zeitgesteuerte Abläufe anhalten, alle Benutzer abmelden.
- Datenbank sichern (SQL-Server-Sicherung, nicht nur Dateikopie).
- Sicherung prüfen: Ist die Datei vollständig, hat sie die erwartete Größe, lässt sie sich zurückspielen? Eine Sicherung, die nie getestet wurde, ist eine Hoffnung.
- Die Installer der alten Version aufbewahren, damit Sie die Clients notfalls zurücksetzen können.
4. Das Update einspielen – die Reihenfolge
- Worker ausschalten und alle Clients beenden. Niemand arbeitet während des Updates in der Wawi. Läuft der Worker als Dienst, stoppen Sie den Dienst – sonst startet er den Abgleich von selbst wieder. Zeitgesteuerte Abläufe ebenfalls anhalten: Aufgaben in der Windows-Aufgabenplanung, geplante Ameise-Importe und -Exporte, eigene Skripte sowie Zusatzprogramme, die nach Zeitplan auf die Datenbank zugreifen. Ein Import, der mitten im Datenbank-Update startet, kann das Update abbrechen oder halbe Daten hinterlassen.
- Sicherung erstellen und prüfen (siehe oben).
- Neue Version auf dem Server installieren, dort wo der Worker läuft.
- Datenbank-Update ausführen: Beim ersten Anmelden mit der neuen Version startet der Update-Assistent. Lassen Sie ihn ohne Unterbrechung durchlaufen, auch wenn er lange zu stehen scheint. Mehrere Mandanten? Der Assistent fragt, ob nur der aktuelle oder alle Mandanten aktualisiert werden. Nicht aktualisierte Mandanten bleiben auf der alten Version – in der Regel wählen Sie „alle“.
- Alle Arbeitsplätze aktualisieren – Packtisch und Lager-PCs nicht vergessen.
- Worker wieder starten und prüfen, ob er als Dienst läuft. Zeitgesteuerte Abläufe erst nach den Tests wieder einschalten.
- Shop, Connectoren, WMS und POS auf die passende Version bringen.
- Testen (Abschnitt 5), erst dann den Abgleich wieder freigeben.
5. Nach dem Update: Das prüfen wir immer
- Abgleich: Laufen Aufträge aus Shop und Marktplätzen ein, gehen Bestände raus? Wird die Warteschlange kleiner?
- Druck: Rechnung, Lieferschein, Pickliste und Versandetikett je einmal drucken.
- E-Mail-Vorlagen: Eine Testmail aus einem Auftrag versenden.
- Workflows: Laufen die wichtigsten Workflows noch an? Eigene Workflow-Aktionen gezielt testen.
- Versand: Ein Testpaket bis zum Label durchspielen.
- WMS: Anmeldung am Scanner, eine Kommissionierung, ein Wareneingang.
- Eigene Übersichten und Exporte: Liefern sie dieselben Zahlen wie vorher?
- Größe der Datenbank: Wie groß ist sie jetzt im Vergleich zu vorher? Bei SQL Server Express den Abstand zur Grenze im Blick behalten.
- Rechnungen: Erzeugt die Wawi E-Rechnungen (XRechnung/ZUGFeRD) weiterhin korrekt?
Hängt danach der Abgleich, hilft unser Beitrag JTL-Workflow wird nicht ausgelöst weiter; wirkt die Wawi plötzlich träge, der Beitrag JTL-Wawi langsam? SQL-Server-Wartung und Indizes.
Changelog und Issue-Tracker: vor dem Update lesen
JTL veröffentlicht zu jeder Version ein Changelog – auf der Changelog-Seite der JTL-Wawi. Lesen Sie es nicht vollständig, sondern gezielt:
- Bereiche, die Sie täglich nutzen: Versand, Druck, Marktplätze, Shop-Abgleich, Rechnungen.
- Geänderte Datenbankstruktur: Hinweise auf neue oder umgebaute Tabellen betreffen eigene SQL-Abfragen, Übersichten und Ameise-Exporte.
- Voraussetzungen: Neue Mindestversionen für SQL Server, Shop, Connectoren oder WMS.
Zusätzlich lohnt ein Blick in den öffentlichen Issue-Tracker von JTL. Dort sehen Sie, welche Fehler zur neuen Version bekannt sind und ob sie schon behoben wurden. Ist ein Fehler offen, der Ihren Ablauf trifft, warten Sie lieber auf die nächste Version.
Typische Fehler beim Update
Update während des Tagesgeschäfts. Der Assistent sperrt die Datenbank. Aufträge, die währenddessen im Shop eingehen, warten – und wer nebenbei weiterarbeitet, riskiert Fehler.
Worker, WMS-Server oder ein Arbeitsplatz läuft noch. Ein Worker, der nicht ausgeschaltet wurde, ein laufender WMS-Server oder eine noch geöffnete Wawi auf einem Arbeitsplatz greift während des Updates auf die Datenbank zu. Dann bricht das Update ab oder hängt. Prüfen Sie vor dem Start auf jedem Rechner und auf dem Server, dass nichts mehr läuft.
Keine geprüfte Sicherung. Ohne Sicherung von unmittelbar vorher gibt es keinen Weg zurück.
Wann lohnt das Update überhaupt?
Ein Update bringt neue Funktionen und Fehlerbehebungen – und schließt Sicherheitslücken. Wer zu lange auf einer alten Version bleibt, hat irgendwann einen großen Sprung mit vielen Änderungen auf einmal vor sich, statt mehrerer kleiner. Unser Rat: Nicht am ersten Tag einer neuen Hauptversion aktualisieren, aber auch nicht über Jahre warten. Eine kleine Verzögerung, bis die ersten Fehlerbehebungen erschienen sind, ist sinnvoll.
Ohne guten Grund sollten Sie nicht aktualisieren. Gute Gründe sind eine geschlossene Sicherheitslücke, eine Funktion, die Sie wirklich brauchen, ein Fehler, der Sie im Alltag stört, oder das Ende des Supports für Ihre Version. „Es gibt eine neue Version“ allein ist keiner. Am besten besprechen Sie das Update vorher mit Ihrem JTL-Servicepartner: Er kennt Ihre Anbindungen und Anpassungen und weiß, ob die neue Version dazu passt.
Häufige Fragen
Kann ich direkt von 1.10 oder älter auf 2.x aktualisieren?
Wir empfehlen, zuerst auf die letzte 1.11 zu gehen und dort einen sauberen Stand herzustellen. Erst danach folgt der Sprung auf 2.x. So trennen Sie Probleme der alten Version von Problemen der neuen.
Wie lange dauert ein JTL-Wawi-Update?
Das reine Einspielen dauert je nach Datenbankgröße Minuten bis wenige Stunden. Planen Sie mit Sicherung, Tests und Puffer einen halben Tag ein – am besten außerhalb der Geschäftszeiten.
Muss jeder Arbeitsplatz aktualisiert werden?
Ja. Alle Clients, der Worker und weitere JTL-Programme auf dem Server müssen dieselbe Version haben wie die Datenbank. Ein vergessener Rechner kann sich nach dem Update nicht mehr anmelden.
Wo finde ich das Changelog von JTL-Wawi?
JTL veröffentlicht zu jeder Version ein Changelog auf der Download-Seite der JTL-Wawi. Bekannte Fehler und deren Bearbeitungsstand stehen im öffentlichen Issue-Tracker von JTL. Beides lohnt sich vor jedem Update.
Was mache ich, wenn das Update schiefgeht?
Den Zustand vor dem Update stellen Sie nur mit der Datenbanksicherung von unmittelbar vorher wieder her – zusammen mit den alten Programmversionen auf allen Rechnern. Deshalb gehört die geprüfte Sicherung vor jeden Update-Start.
Quellen
- JTL: JTL-Wawi Download (Versionen, Lizenzprüfung über das Kundenkonto; abgerufen am 30.10.2026)
- JTL-Guide: Systemvoraussetzungen aller JTL-Produkte
- JTL: JTL-Wawi Changelog und Issue-Tracker
- JTL-Guide: JTL-Wawi aktualisieren