Wo die JTL-Wawi läuft, merkt man im Alltag kaum – bis der Server ausfällt, der Abgleich hängt oder die Datenbank an die Grenze der kostenlosen SQL-Edition stößt. Dann wird die Frage plötzlich dringend: Bleibt die Wawi im Büro, zieht sie in ein Rechenzentrum oder in die JTL-Wawi Cloud?
Dieser Beitrag vergleicht die vier Wege, die es für JTL-Händler heute gibt, und sagt, für wen welcher passt. Er beruht auf unserer Praxis mit Händlern, die ihre Wawi im Büro, auf Mietservern und in der Cloud betreiben.
Unsere Lösung: Wir prüfen Ihre aktuelle Umgebung, rechnen die Varianten mit Ihren Zahlen durch und übernehmen auf Wunsch den Umzug – mit Datensicherung vorher und einem Rückweg, falls etwas nicht passt. Termin buchen
Die vier Wege im Überblick
| Weg | Was es ist | Gut für | Achtung |
|---|---|---|---|
| Eigener Server im Büro | Wawi, SQL Server und Worker laufen auf eigener Hardware vor Ort | Händler mit Lager am selben Ort, stabilem Netz und jemandem, der sich kümmert | Hardware, Strom, Datensicherung, Ausfallplan liegen bei Ihnen |
| Gemieteter Server (Rechenzentrum) | Windows-Server bei einem Hoster, Zugriff per Remotedesktop oder VPN | Mehrere Standorte, Homeoffice, kein Platz für Technik im Büro | Server-Pflege, Updates und Sicherung müssen trotzdem organisiert werden; braucht einen stabilen Internetanschluss |
| JTL-Wawi Cloud (ecomDATA) | Die gewohnte Wawi, gehostet beim JTL-Partner ecomDATA, laut JTL ab 49,99 € im Monat | Händler, die sich nicht um Server kümmern wollen | Laufende monatliche Kosten; ohne stabilen, schnellen Internetanschluss im Büro und Lager steht die Arbeit |
| JTL Cloud ERP (Beta) | Neue, eigenständige Cloud-Software von JTL, nicht die gewohnte Wawi | Neugründer und kleine Händler, die neu starten | Beta, anderer Funktionsumfang – kein einfacher Umzug einer bestehenden Wawi |
Woran Sie die Entscheidung festmachen
Wo arbeiten Ihre Leute? Sitzen Büro, Lager und Versand an einem Ort, spricht viel für einen Server vor Ort: Drucker, Scanner und Packtisch hängen im selben Netz, und ein Internetausfall legt den Versand nicht lahm. Arbeiten mehrere Standorte oder viele im Homeoffice, ist ein Server im Rechenzentrum oft einfacher. Dann ist aber ein stabiler, ausreichend schneller Internetanschluss Pflicht – fällt er aus, kann niemand mehr in der Wawi arbeiten. Ein zweiter Zugang, etwa per Mobilfunk-Router, ist eine sinnvolle Absicherung.
Aus der Praxis: Bei einem Kunden mit Ladengeschäft fiel das Internet für zwei Tage aus. Weil der Server mit der Wawi im eigenen Haus stand, lief die Kasse weiter und der Laden konnte normal verkaufen – die Zeit bis zur Reparatur haben wir gemeinsam überbrückt. Mit einer Wawi im Rechenzentrum wäre der Verkauf in dieser Zeit deutlich schwieriger gewesen.
Wer kümmert sich? Ein Server braucht Updates, eine geprüfte Datensicherung, Überwachung und jemanden, der reagiert, wenn er ausfällt. Haben Sie dafür niemanden – intern oder als Dienstleister –, ist Hosting mit Betreuung die sicherere Wahl.
Wie groß ist Ihre Datenbank? Die kostenlose SQL Server Express Edition ist bis Version 2022 auf 10 GB pro Datenbank begrenzt, ab SQL Server 2025 auf 50 GB. Arbeitsspeicher (rund 1,4 GB) und Rechenkerne (maximal 4) bleiben aber auch bei 2025 knapp. Wer darüber wächst, braucht eine kostenpflichtige SQL-Server-Lizenz oder ein Hosting, in dem sie enthalten ist.
Was hängt sonst noch an der Wawi? JTL-WMS, Mobile Server, Kasse, Druckserver, eigene Programme mit Datenbankzugriff, Schnittstellen zu Buchhaltung oder Versand. Je mehr davon, desto wichtiger ist es, dass all diese Komponenten in der gewählten Umgebung sauber zusammenspielen und jemand den Überblick hat.
Was kostet ein Ausfall? Rechnen Sie einmal durch, was ein Tag ohne Versand kostet. Daraus ergibt sich, wie viel Ihnen Ausfallsicherheit wert sein sollte.
Aus der Praxis: Wenn der Server ausfällt
Aus der Praxis: Ein Händler kam zu uns, nachdem sein Server mit der Warenwirtschaft ausgefallen war – die Daten schienen verloren. Wir konnten die Daten aus dem JTL-Shop zurückholen und alle nötigen Informationen wieder in die JTL-Wawi übertragen. Das ging gut aus, aber es zeigt: Entscheidend ist nicht, wo der Server steht, sondern ob es eine funktionierende, getestete Datensicherung außerhalb des Servers gibt.
Das lässt sich zum Beispiel mit einer Synology-NAS umsetzen: Die SQL-Sicherung der Wawi landet automatisch auf der NAS, die NAS spiegelt sie zusätzlich in die Cloud oder an einen zweiten Standort und meldet sich, wenn eine Sicherung fehlschlägt. Wichtig ist der regelmäßige Test, ob sich die Sicherung auch wirklich zurückspielen lässt. Solche Lösungen richten wir im Rahmen unserer IT-Betreuung ein.
Sicherheit: Hosting heißt nicht „sorglos“
Im Oktober 2026 meldete JTL eine Sicherheitslücke im JTL-WMS Mobile Server. Betroffen waren vor allem Installationen, die aus dem Internet erreichbar sind – also häufig gehostete Umgebungen. Egal wo Ihre Wawi läuft: Sicherheitsupdates, Zugänge und Freigaben brauchen einen Verantwortlichen. Details stehen in unserem Beitrag Sicherheitsupdate für den JTL-WMS Mobile Server.
Umziehen – in beide Richtungen
Ein Wechsel ist möglich: vom Büro ins Rechenzentrum, in die JTL-Wawi Cloud oder zurück. Der Ablauf ähnelt einem Serverwechsel: Datenbank sichern, SQL Server am Ziel einrichten, Datenbank zurückspielen, Clients, Worker und Zusatzkomponenten neu verbinden, testen. Unser Beitrag JTL-Wawi auf einen neuen Server umziehen beschreibt die Schritte.
Unsere Empfehlung
- Ein Standort, Lager im Haus, jemand kümmert sich: eigener Server vor Ort mit externer, geprüfter Datensicherung.
- Mehrere Standorte oder viel Homeoffice: gemieteter Server im Rechenzentrum mit Betreuung.
- Kein Interesse an Servertechnik: JTL-Wawi Cloud bei ecomDATA.
- Neustart ohne bestehende Wawi: das Cloud ERP von JTL ansehen – aber den Beta-Status und den Funktionsumfang prüfen.
Häufige Fragen
Kann JTL-Wawi in der Cloud laufen?
Ja, auf zwei Arten: Die gewohnte JTL-Wawi läuft gehostet beim Partner ecomDATA (laut JTL ab 49,99 € im Monat), oder Sie betreiben sie auf einem selbst gemieteten Server im Rechenzentrum. Davon zu unterscheiden ist das neue Cloud ERP von JTL, das seit Oktober 2026 als Beta startet und eine eigene Software ist.
Was ist günstiger: eigener Server oder Hosting?
Ein Server im Büro hat höhere Anfangskosten, aber niedrige laufende Kosten. Hosting kostet monatlich, spart aber Hardware, Strom und einen Teil der Wartung. Entscheidend sind meist nicht die Euro, sondern wer sich um Updates, Sicherung und Ausfälle kümmert.
Brauche ich für JTL-Wawi einen echten Server?
Bei ein oder zwei Arbeitsplätzen reicht in der Regel ein normaler Arbeitsplatz-PC, auf dem die Wawi mitläuft. Sind es mehr, ist ein eigener, dedizierter Server die bessere Wahl – im Büro oder gemietet.
Ist die Wawi in der Cloud sicherer?
Nicht automatisch. Ein Rechenzentrum schützt besser vor Hardwareausfall und Einbruch. Sicherheitsupdates, Zugänge und Freigaben müssen aber auch dort jemand pflegen – das hat zuletzt die Sicherheitslücke im JTL-WMS Mobile Server gezeigt.
Quellen
- JTL: JTL-Wawi Cloud
- JTL: Preise und Editionen (Betriebsarten, Cloud ERP)
- JTL-Guide: Systemvoraussetzungen aller JTL-Produkte